16.03.2018 09:34

Wie Sie es schaffen, mit Ihrer Abschlussarbeit anzufangen

In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie den Mut dazu finden, mit Ihrer Abschlussarbeit anzufangen.

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Angst vor der Abschlussarbeit

„Redest du gerade über Abschlussarbeiten?“ fragte mich unlängst eine Freundin. „So eine habe ich auch noch vor mir. Ich fürchte mich schon jetzt davor!“Ermutigende Grafik und bunte Farbstifte auf grauem Holz

Meine Freundin hat vor kurzem nochmals ein Studium begonnen. Bis jetzt läuft alles gut: Sie besteht alle Prüfungen, freut sich über gute Noten und genießt die Zeit mit ihren Kolleginnen und Kollegen. Alles kein Problem.

Bis auf eine Sache: ihre Abschlussarbeit. So eine Arbeit ist etwas Neues für sie. Sie weiß nicht genau, was da auf sie zukommt. Und sie fragt sich, wie sie eine so umfangreiche Arbeit hinbekommen soll.

Ihre Erfahrungen mit dem Schreiben 

Frühere Erfahrungen können Ihnen dabei helfen, diese Anfangshürde zu überwinden. Wenn Sie sie sich daran erinnern, und wenn es gute waren. Wann haben Sie zum letzten Mal eine wissenschaftliche Arbeit geschrieben? Oder einen Aufsatz? Wissen Sie noch, wie das damals für Sie war?

Bei meiner Freundin ist das lange her. Zwar schreibt sie beruflich immer wieder Texte. Die folgen jedoch meistens einem bestimmten Schema und enthalten vorgegebene Formulierungen. Aber selbst Worte zu finden für das, was sie sagen will – das hat sie schon lange nicht mehr praktiziert.

Dazu kommt, dass so eine Abschlussarbeit zumeist umfangreicher ist als ein beruflich zu schreibender Text. Viel umfangreicher. Und es dauert länger, bis sie fertig ist.

Auch die Art der Erfahrungen mit dem Schreiben spielt eine Rolle. Meine Freundin hat noch nie gern geschrieben. Auch nicht in der Schule.

Wie ist das bei Ihnen? Können Sie auf gute Erfahrungen mit dem Schreiben zurückblicken? Haben Sie es gern getan, hat es Ihnen sogar Spaß gemacht? Oder war das schon damals eine schwierige Sache für Sie?

Damals ist nicht heute

Die gute Nachricht ist: Seitdem ist einiges an Zeit vergangen. Sie sind nicht mehr in der selben Situation wie damals. Und Sie haben sich weiterentwickelt, in vieler Hinsicht. Auch, was das Schreiben von Texten angeht.

Heute gibt es keine Glocke mehr, die den Beginn Ihrer Arbeit einläutet. Sie bestimmen, wann Sie mit dem Schreiben beginnen. Ebenso entscheiden Sie selbst, wann Sie eine Pause machen oder die Arbeit für diesen Tag beschließen. Sie teilen sich Ihre Zeit selbst ein. Sie entscheiden, wieviel Zeit Sie sich für das Schreiben Ihrer Arbeit nehmen und wann Sie daran arbeiten.

Der Zeitdruck von früher fällt also weg. Sie sind frei in Ihrer Zeitgestaltung. Und Sie selbst entscheiden, wie Sie das Schreiben an Ihrer Arbeit in Ihrem Alltag unterbringen. Ob Sie täglich schreiben. Oder an bestimmten Tagen in der Woche. Ob Sie feste Schreibzeiten einplanen, oder ob Sie spontan freie Zeitfenster nützen. Und wie lange Ihre Schreibeinheiten dauern.

Stück für Stück und Schritt für Schritt 

Es gibt noch einen Unterschied zu damals: Heute brauchen Sie einen Text nicht mehr in einem Rutsch zu schreiben. Sie können sich Ihre Aufgabe in Portionen einteilen, die Sie gut bewältigen. Stück für Stück können Sie Ihren Text erstellen, bis er schließlich fertig ist.

Das sagte ich auch meiner Freundin: „Diesen Text brauchst du nicht auf einmal zu schreiben. Du kannst dir ein halbes Jahr dafür Zeit nehmen und immer wieder ein Stück daran weiterarbeiten. Er muss auch nicht auf Anhieb perfekt sein. Du kannst erst einmal locker drauflos schreiben und später noch alles ändern, was dich stört.“

Sie brauchen das Konzept Ihrer Arbeit also nicht in einem Zug umzusetzen. Schritt für Schritt können Sie sich Ihrem Ziel nähern, bis Ihre Arbeit fertig ist. So, wie Sie sich beim Wandern Schritt für Schritt dem Gipfel nähern. [1]

Meine Freundin hatte einen sehr hohen Gipfel vor Augen: „Mir erscheint das Ganze wie ein riesiger Berg. Ob ich den bezwinge?“ zweifelte sie. „Ich hab Angst, dass mir unterwegs die Puste ausgeht.“

Ich empfehle Ihnen dasselbe wie meiner Freundin: Gehen Sie langsam vorwärts. In Ihrem eigenen Tempo. Dann kommen Sie auch nicht aus der Puste. Machen Sie einen Schritt nach dem anderen. Und schauen Sie dazwischen auch immer wieder zurück auf das, was Sie schon erreicht haben.

Mut zur Abschlussarbeit

„Und wie soll ich mit meiner Angst umgehen?“ wollte sie wissen. „Die geht ja nicht einfach weg!“

Wenn Sie das auch so empfinden: Erwarten Sie nicht, dass Ihre Angst verschwindet, bevor Sie mit dem Schreiben Ihrer Arbeit beginnen. Das wäre zwar schön, aber es geschieht selten.

Greifen Sie lieber zu einem Zaubermittel:  Beginnen Sie trotz Angst mit Ihrer Arbeit! Damit nehmen Sie jener den Wind aus den Segeln.

Lassen Sie sich von Ihrer Angst nicht unterkriegen oder aufhalten. Treten Sie ihr entgegen. Sehen Sie ihr ins Gesicht und sagen Sie ihr: Du hältst mich nicht auf, ich tue es trotzdem! Zwar wird sie Sie dann noch eine Weile begleiten. Irgendwann aber werden Sie feststellen, dass sie nicht mehr da ist.

So finden Sie den nötigen Mut, um mit Ihrer Abschlussarbeit anzufangen und sie Stück um Stück, Schritt für Schritt auch fertigzustellen.

Mutig sein heißt ja nicht, keine Angst zu haben - im Gegenteil: Mutig ist, wer's trotzdem tut! [2]

*

[1] mehr dazu in: Huber, Emma (2017): Vom Reden zum Schreiben: So gelingt Ihre Abschlussarbeit. UTB, Ferdinand Schöningh, Paderborn, S. 88–89; siehe Bücher.

[2] vgl. Huber 2017, S. 85.

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